Musiker, kauft Eure Instrumente nicht im Internet! - Teil 2

Was ist besser: Musikinstrumente online kaufen oder im Laden? Ich habe eine klare Meinung, nachdem ich mir mal überlegt habe, wie blind wir gegenüber den Vorteilen des Ladenkaufs und den Nachteilen des Onlinekaufs sind. Eine ganz einfache Rechnung unter Einbeziehung aller Faktoren kommt zu einem klaren Schluss: Musiker sollten in einen Laden gehen anstatt ihre zeit im netz zu verdatteln.

Wir erinnern uns: Es ging im vorherigen Blogeintrag um das Interesse einer Freundin am Kauf eines E-Pianos. Dem Zeitgeist entsprechend macht man das ja heute online und versucht sich vorher auf vielen Kanälen sachkundig zu machen. Unter anderem bei mir, weil ich ja was mit Musik zu tun habe. Aber ich halte nichts davon, dass Musiker ihre Instrumente im Internet kaufen: Ich habe ein gedanklichen Test konstruiert, der objektive Vergleichsbedingungen im Aufwand-Nutzen-Verhältnis zwischen Ladenkauf und Onlinekauf schaffen soll.

Test 1 - das Geschäft:
Gehe in den Laden, lass Dich beraten, teste die 10 E-Pianos an. Notiere aufgewendete Zeit und ausgegebenes Geld.

Test 2  - der Onlineshop:
Bestelle 10 E-Pianos im größten Onlineshop Europas. Packe sie aus, baue sie auf, teste sie. Schicke sie alle 10 wieder zurück. Notiere aufgewendete Zeit und ausgegebenes Geld.

Test 1 ist in paar Stunden erledigt, kostet paar Euro Fahrkarte oder Sprit. Außerhalb von Großstädten etwas mehr ... ok.

Problematisch wird es mit Test 2. Es sind erst einmal ein paar Tausend Euro Kapital nötig, wenn man sich 10 E-Pianos bestellt, denn bezahlt wird im Onlinehandel bekanntlich vorher. Eventuell schrillen ja im System des Onlinehändlers die Alarmglocken, wenn ein Kunde 10 E-Pianos für insgesamt mehrere tausend Euro ordert. Vielleicht ruft ja ein Mitarbeiter testhalber an. Oder die Lieferung kommt mit der Spedition. Was für ein außergewöhnlicher Verkaufsvorgang in der Welt des Onlineshopping. Im Ladengeschäft ist es ein Klacks, denn man muss das E-Piano nicht vorher kaufen, wenn man es nur mal anspielen will.

Aber gut, wir nehmen jetzt mal an, dass es bei der Menge an täglichen Lieferungen im größten Versandhaus nicht auffällt, wenn jemand 10 E-Pianos ordert.
Nachdem der Postbote sein Fahrzeug leergeräumt hat und 10 Pakete á 20 Kilo die Treppe hinauf trug, wir 10 Pakete geöffnet haben, 10 Kartons in den Keller schafften, 10 E-Pianos aufbauten - alles mit großer Sorgfalt, denn wir wollen ja nur testen - nachdem also mindestens 3 Stunden rum sind, geht es ans gemütliche Anspielen ...
Ja, und vielleicht konnten wir uns für eines der 10 E-Pianos entscheiden. Dann käme jetzt der schwerste Teil von Test 2: die Rücksendung der anderen 9 Pakete. Abbauen, Einpacken, Transport zum Postamt. Ob mit oder ohne Rücksendeschein - es gehen wieder ein paar Stunden drauf und dann noch etwas besonders aufregendes: das Warten auf die Rücküberweisung unseres Geldes :-)
Was sagt denn da der gütige Versandhändler oder das "kundenfreundlichste Unternehmen der Welt", wenn die Gewinnmarge des gekauften E-Pianos von Hin- und Rücktransportkosten der 9 anderen E-Pianos mehr als aufgefressen wird? Droht uns nun vielleicht eine Käuferkontosperre? Oder kann man uns eine "Verschlechterung" der Ware nachweisen?

Kann sein, dass wir am Ende ohne Minus oder Schadenersatzklage aus diesem ganz normalen Vorgang herauskommen. Aber wenn auch nur ein Bruchteil der Musiker auf die Idee käme, es mal so zu machen, kämen die Onlineshops schnell in Existenznot.
Halten wir doch mal ehrlich fest: Der Fernhandel mit Musikinstrumenten ist der Handel mit Katzen im Sack. Kaufen auf gut Glück - kaufen, was andere für richtig halten - kaufen, was alle kaufen - und dann gefälligst zufrieden sein. Die Bequemlichkeit, für ein neues Musikinstrument keinen Fuß vor die Tür setzen zu müssen, ist die gleiche Bequemlichkeit, die dazu führt, dass man das gewählte und gelieferte Instrument behält. Und dann muss man sich das ganze nur noch schönreden - z.B. damit, dass man irgendwas gespart hätte.

Für eine aufwendige, stunden- und tagelange Internetrecherche und für die digitale Rücksprache mit echten und selbsternannten Spezialisten sind sich viele Zeitgenossen heutzutage nicht zu schade. Wohl aber dazu, ein paar Stunden der wertvollen Zeit dazu zu verwenden, ganz konventionell in einen Laden zu gehen und einem Fachverkäufer zu vertrauen.
Hebt da wieder einer den moralischen Zeigefinger und will die gute alte Zeit zurück?

Nee ... ich habe nur mal eine blanke Kosten-Nutzen-Rechnung angefertigt. Was muss man an Zeit und Geld aufwenden und was kriegt man dafür? Wenn man einen neuen Satz seiner Lieblingssaiten braucht, mag es von Vorteil sein, sie online zu bestellen. Aber ein Musiker kauft doch nicht sein Instrument aus der Ferne - tut mir leid, das ist einfach nur Quatsch.

Gespart hat man unter dem Strich meist nichts: weder Zeit, noch Geld, noch Nerven. Der faule Kompromiss mit dem angeblich so günstigen Internetkauf wird am Ende meist erst so richtig teuer, wenn man nach ziemlich kurzer Zeit wieder unsicher wird, ob denn ein anderes Instrument nicht besser wäre. Und dann denkt man über die Anschaffung eines neuen, besseren Instruments nach. Selbstverständlich wieder online - denn man ist ja nicht blöd ...  ;-)



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